Konferenz- und Videosetup
Hintergrund
In der Pandemie fing es an, wie bei so vielen anderen auch. Videokonferenzen den ganzen Tag, Arbeitsmeetings, abends mit Freunden abhängen – monatelang. Irgendwann merkte ich, dass ich anfing, Leute unbewusst nach ihrer Audio- und Videoqualität zu beurteilen. Wer mit schlechtem Mikrofon und Kamerabild in einem Call saß, wirkte weniger kompetent – auch wenn das unfair ist. Dann drehte ich die Frage um: Wie klinge und wirke ich eigentlich für andere? Die Antwort gefiel mir nicht gut genug. Die Zeit war da, das Basteln auch, und so ist das Setup entstanden – und dann ein bisschen eskaliert.
Umsetzung
Das Herzstück ist ein Behringer Xenyx 1602, ein analoges Mischpult mit 16 Kanälen. Es ist der zentrale Knotenpunkt für alles, was Ton produziert oder empfängt. Mischpulte dieser Art kennt man aus Tonstudios und auf Bühnen – hier dient es dazu, mehrere Mikrofone, den Laptop und andere Quellen gleichzeitig zu verwalten und den Klang zu formen, bevor er in den Computer geht.
Mein Hauptmikrofon ist ein t.bone SC-400, ein Kondensatormikrofon auf einem Auslegerbügel im Stehlampen-Stil. Es läuft durch einen Behringer Composer Pro-XL, ein Gerät das Lautstärkespitzen abfängt und leise Passagen anhebt, sodass meine Stimme gleichmäßig und sauber klingt. Als zweites Mikrofon habe ich ein günstiges Behringer-Lavaliermikrofon – das kleine Ansteckmikrofon das man von Fernsehinterviews kennt, ebenfalls über den Composer Pro-XL. Es kommt vor allem bei TV-Live-Schalten zum Einsatz, zusammen mit dem Teleprompter. Dazu steht noch ein gerichtetes Audio-Technica AT875R zur Verfügung, ein Mikrofon das nur aufnimmt was direkt vor ihm ist. Ich nutze es selten: das SC-400 klingt einfach zu gut.
Alle Mikrofone und Eingänge laufen intern auf einen gemeinsamen Summenbus, Subgroup 1-2 in der Mischpult-Sprache. Von dort geht das Signal in einen Behringer HA400, eigentlich ein Kopfhörerverstärker mit vier Ausgängen, den ich als Signalverteiler zweckentfremde. Er splittet das Summensignal auf drei Wege gleichzeitig: einen KVM-Switch mit eigener USB-Soundkarte (damit bekommt mein Arbeits-Notebook per USB-C das Audio des Mixers), einen USB-C-Ausgang für mein Smartphone als vollwertiges Duplex-Audiointerface, und meinen Desktop-Rechner. Der Master-Out des Mixers läuft auf JBL 3-Series MkII Studiomonitore, meine Lautsprecher.
Für Videokonferenzen und Vorträge läuft OBS auf dem Desktop. OBS ist eine freie Software die ursprünglich fürs Streaming entwickelt wurde, sich aber hervorragend als virtueller Videomixer eignet – ich kann damit Kamerabilder, Bildschirminhalte und andere Quellen zusammenmischen und als eine virtuelle Kamera in Videokonferenzen einspeisen. Die Hauptkamera ist eine Logitech Brio 4K. Eine alte 720p-USB-Webcam dient als Raumkamera – mehr Spielerei als ernsthafter Bestandteil. Ein Elgato Stream Deck XL, ein Bedienfeld mit 32 programmierbaren Tasten mit kleinen Displays, steuert OBS und übernimmt weitere Funktionen. Für Videoschnitt liegt ein DaVinci Speed Editor auf dem Schreibtisch, ein dediziertes Schnittcontroller-Gerät für DaVinci Resolve.
Die dritte Kamera steckt im selbst gebauten Teleprompter. Ein Teleprompter zeigt dem Sprecher den Text auf einem Monitor an, der über ein teilverspiegeltes Glas vor der Kamera reflektiert wird – die Kamera nimmt durch das Glas hindurch auf, der Sprecher blickt dabei direkt in die Linse. Für mich ist das vor allem das Werkzeug für TV-Live-Schalten: ich lese den Ablauf vom Glas, wirke dabei für die Kamera als würde ich direkt dreinschauen, und habe das Lavaliermikrofon am Revers. Das funktioniert, weil Bild und Ton komplett getrennt vom Rest des Setups laufen und sich sauber in OBS einspeisen lassen.
Das ungewöhnlichste Stück im Setup ist ein Comrex DH30, ein professionelles Gerät das Audio über Telefonleitungen überträgt. Ich nutze es über DECT – das schnurlose Heimtelefonsystem – und kann damit das Audio einer laufenden Videokonferenz auf ein Schnurlostelefon routen. Wenn ich während eines Calls kurz in die Küche muss, höre ich einfach weiter mit.
Neue Hardware, alte Probleme
Im Oktober 2025 kam ein neuer Rechner dazu. Die Onboard-Soundkarte – also der ins Mainboard integrierte Soundchip – erwies sich als Problem: ein undokumentiertes Auto-Gain, eine automatische Lautstärkeregelung, die bei dem geringen Noisefloor meines Systems so desorientiert war, dass das Audio schlicht unbrauchbar klang. Die Lösung war eine ESI Maya44, eine externe Soundkarte im Format einer kleinen Steckkarte. Seitdem läuft alles stabil.
Ergebnis
Das Setup ist seit 2020 im Kern unverändert. Kleine Anpassungen kamen 2022 und 2023, der neue Rechner 2025. Was funktioniert, wird nicht angefasst.











